Vortrag „Japanerinnen – missverstandene Geschöpfe?“

Am Mittwoch, 28. Februar 2018, lud die Deutsch-Japanische Gesellschaft Sachsen-Anhalt e.V. zu einem öffentlichen Vortrag in das einewelthaus in Magdeburg.

Der Referent, Herr Dr. Kenji Kamino aus Hannover, führte uns in seinem Vortrag auf überzeugende Weise ein in die Welt der Rollenverteilung und des Geschlechterkampfes um Meinungsführerschaft und innerfamiläre Vorherrschaft mit entsprechenden Auswirkungen auf das Familienleben und auf die Gesellschaft in Japan für einen Zeitraum der zurückliegenden zweitausend Jahre.

Hoch interessante Details von sich nach und nach modifizierenden Verheiratungsstrategien und -prozeduren, vom gewandelten Erb- und Scheidungsrecht als Spiegel der Macht­verhältnisse zwischen dem ehemals starken weiblichen Geschlecht und dem männlichen Pendant sowie von ganz alltäglichen Entscheidungsbedürfnissen zwischen Mann und Frau wurden humorvoll und einprägsam erläutert. Herr Dr. Kamino hatte seinen Vortrag in bewährter Weise mit eindrucksvollen Foto-Beispielen und Film-Beiträgen angereichert.

Japanerinnen können sich dem Anschein nach unterordnen und im Hintergrund wirklich machtvoll wirken

Wie können wir uns die über lange Zeitlinien gelaufene Entwicklung vorstellen?

Japan hat einen über viele jahrhunderte andauernden Prozess einer Entwicklung von einer Frauen- bzw. Mutter-dominierten Gesellschaft über eine Zeit der weitgehenden Gleichstellung, im weiteren Verlauf eine Zeit des schleichenden Machtgewinns der Männer bzw. Väter bis zur absoluten Dominanz des männlichen Geschlechts durchlaufen.

Besonders in der Samurai-Epoche (17. – 19.Jhd.) hatte die Frau einen Großteil ihrer Rechte verloren, war der Mann der alleinige Haushaltsvorstand, der eine Vielzahl von Entscheidungen allein zu treffen hatte.

Mit der nach mehr als 250 Jahren vollständigen Abschottung vom Ausland im Jahr 1861 politisch erzwungenen Öffnung Japans und der danach rasant einsetzenden kraftvollen Modernisierung durch Übernahme westlicher Technologie, Wissen, Kultur und ansatzweise auch Lebensweise begann ein Prozess der erneuten Gleichstellung der Frau in der Gesellschaft. Insofern war die Meiji-Zeit der Beginn einer fortschrittlichen Entwicklung, auch mit Blick auf die Stellung der Frau in Familie und Gesellschaft.

Mit der unter starkem Einfluss der USA erarbeiteten und am 3. Mai 1947 in Kraft getretenen neuen japanischen Verfassung und dem darauf aufbauenden Rechtssystem wurde die vollständige Gleichstellung der Frau rechtlich etabliert.

Gleichwohl sind vielfältige, noch immer lebendige Traditionen und Rituale, Verhaltensmuster und Denkweisen ein beredter Hinweis darauf, dass in Jahrhunderten gefestigte Gewohn­heiten und Gebräuche sehr, sehr tief im Bewusstsein der Menschen in Japan verwurzelt sind.

Wer in Japan das Geld verwaltet, hat die Fäden in der Hand

So ist es noch heute laut aktueller Umfrage einer japanischen Großbank so, dass in zwei Drittel der Haushalte die Ehefrau das gesamte Vermögen verwaltet und dem Ehemann ein Taschengeld auszahlt. Man hört so, dass es so sei: wenn er alles richtig macht, wird das Taschengeld erhöht… Es gäbe noch viel zu berichten darüber, ein abendfüllendes Thema…

Trotz absoluter Gleichstellung nach dem Gesetz sind noch gelegentlich irritierende Unterschiede zwischen Mann und Frau im Japan dieser Tage beobachtbar. Auf breiter Basis gibt es jedoch Entwicklungen, die eine An­gleichung an die weitgehend ausbalancierte Gleichberechtigung in Europa und Nordamerika erkennen lassen.

Im Jahr 2016 wurde in der Präfektur Tokio mit Yuriko Koike erstmals eine Frau zur Gouverneurin gewählt. Japan hat bereits zwei Astronautinnen hervorgebracht. In mehr und mehr Berufsfelder stoßen Frauen als zuverlässige und geachtete Arbeitskräfte vor: So gibt es mittlerweile Lokführerinnen für die superschnellen Shinkansen-Züge, eine Fregatten-Kapitänin sowie erste Kampfpilotinnen im Luftgeschwader der Selbstverteidigungskräfte. Im Parlament (Unterhaus sowie Oberhaus) sind ebenfalls einige weibliche Abgeordnete vertreten. Auf kommunaler Ebene sind die Frauen auf dem Vormarsch.

In der jüngeren Generation wagen mehr und mehr Frauen in der postindustriellen Dienstleistungsgesellschaft den Schritt in die Selbständigkeit. Jedoch hat das Leitbild von der fürsorgenden Ehefrau und Mutter, die für ihre Kinder die Berufsausübung aufgibt, für einen Teil der Frauen in Japan noch immer seinen Reiz. Und dennoch: Japan wir vielfältiger und bunter, neue Entwicklungen werden durch den demografischen Wandel mit einer bedenklichen Überalterung und starker Schrumpfung außerhalb der Metropolregionen befeuert.

Ehrenmitgliedschaft für Dr. Kenji Kamino

Herr Dr. Kamino war nun schon für den zehnten spannenden Vortrag nach Magdeburg gekommen. Dieses Jubiläum nahmen wir zum Anlass, ihm die Ehrenmitgliedschaft in unserer DJG anzubieten. Dies nahm er gern an. Verbunden mit einem herzlichen Dankeschön überreichte ihm unser Präsident Prof. Lutz Wisweh eine Urkunde zur Ehrenmitgliedschaft sowie einen Präsentkorb mit Spezialitäten aus Sachsen-Anhalt an den sichtlich erfreuten Referenten.

Wieder einmal ein unvergesslicher Abend! Ein herzliches Dankeschön an den kompetenten Kulturvermittler aus Hannover! Wir freuen uns schon heute auf seinen nächsten Besuch bei uns.

Zu Besuch im Hanse-Hafen Magdeburg

Der Beigeordnete für Stadtentwicklung, Bau und Verkehr von Magdeburg, Herr Dr. Dieter Scheidemann, hat am 23. Februar 2018 eine Besuchergruppe mit Herrn Prof. Hidetaka Tsuji aus Japan empfangen. Gemeinsam mit Prof. Lutz Wisweh und Tim Schneider von der Deutsch-Japanischen Gesellschaft Sachsen-Anhalt e. V. besichtigten sie unter anderem die innovativen und expandierenden Einrichtungen des Magdeburger Hafens, das in der Startposition vibrierende Stadtentwicklungsgebiet im Wissenschaftshafen sowie die mit Kränen und Bauplätzen gesegnete Innenstadt.

Im Hansehafen hatte es besonders das kontinuierliche Greenport-Konzept u.a. mit Hybridlok und gut verteilten E-Ladestationen den Gästen angetan.
Im Wissenschaftshafen wurden die bereits fertig gestellten Vorhaben, die in Realisierung befindlichen Projekte sowie die Bauplätze von bald startenden Bauvorhaben näher inspiziert. Ausgehend vom Charles-de-Gaulle-Platz waren das u.a. die Denkfabrik in den ehemaligen Speichergebäuden, das Café Treibgut, die im Aufbau befindliche Freiluftausstellung für außergewöhnliche Elbschiffe sowie weitere Orte geplanter Bauvorhaben.

Im Anschluss wurde der Uni-Campus mit der Universitätsbibliothek sowie die neuen Institutsbauten am Pfälzer Platz gemeinsam angeschaut. Zudem stand das im Bau befindliche neue Domviertel sowie dessen Umfeld auf dem Besichtigungsprogramm.

in Magdeburg geht was – Gäste beeindruckt vom aktuellen Baugeschehen

Die Besucher zeigten sich äußerst beeindruckt vom aktuellen Baugeschehen sowie von den vielen in Vorbereitung befindlichen weiteren Vorhaben in Magdeburg. Deshalb wird ihr Weg auch im kommenden Jahr zu uns führen. Dann wird für die Fachleute das Bauhaus-Jubiläum von besonderem Interesse sein. Neben den weltbekannten Bauhaus-Stätten in Weimar, Dessau und Berlin wollen sie auch die verschiedenen Siedlungen der bunten Moderne in Magdeburg besichtigen. Der Architekt und Stadtplaner sowie einstige Magdeburger Stadtbaurat Bruno Taut ist ein auch in Japan bekannter und geachteter Vertreter der Bauepoche der Moderne. Bruno Taut hatte von 1933 bis 1936 in der Stadt Takasaki, 90 km nördlich von Tokio, gelebt und vor allem Studien über die japanische Architektur durchgeführt sowie architekturtheoretische Schriften verfasst.

Bauhaus und Bruno Taut in Japan bestens bekannt

Das reiche baukulturelle Erbe Sachsen-Anhalts aus der Bauhaus-Zeit und die von ihr ausgegangenen Entwicklungen und Inspirationen werden in Japan von Vertretern der Baugeschichtsforschung, aber auch von Architektur, Planung und Design sehr wertgeschätzt. In dieser Verbundenheit liege auch ein großes touristisches Potential für Magdeburg, so der Präsident der Deutsch-Japanischen Gesellschaft, Lutz Wisweh. Daher plane die DJG auch in Zukunft in enger Zusammenarbeit mit dem Baudezernat der Landeshauptstadt Magdeburg den Ausbau und die Kultivierung der bestehenden Kontakte zu verschiedenen Einrichtungen und Städten in Japan.

Stadtplanerin aus Japan zu Gast in Magdeburg

Stadt- und Verkehrsplanerin Michie Masubuchi aus der japanischen Großstadt Utsunomiya für Interview-Gespräche zu Besuch im Stadtplanungsamt Magdeburg / Treffen mit dem Präsidenten der Deutsch-Japanischen Gesellschaft Sachsen-Anhalt e.V.

Am Freitag, 26.01.2018, besuchte Frau Michie Masubuchi, Stadt- und Verkehrsplanerin der Stadtverwaltung von Utsunomiya, während ihrer zweiwöchigen Studienreise durch Deutschland das Stadtplanungsamt von Magdeburg für ein Fach-Interview.

Das von einem über die deutsche Stadtentwicklung sehr gut informierten japanischen Professor der Stadtplanung vermittelte Interview fand in einer kooperativen Atmosphäre statt und war von gegenseitigem Interesse und Neugierde geprägt.

Frau Masubuchi hatte sich bereits vor Antritt ihrer selbst organisierten und allein durch­geführten Bildungsreise umfassend vorbereitet und über aktuelle Planungs- und Bauthemen von Magdeburg informiert. Sie konnte daher sehr fundierte und sachkundige Fragen an die Interviewpartner aus dem Stadtplanungsamt richten. Sie hatte auch bereits am Vortag eine ganztägige umfangreiche Stadterkundung absolviert und sich mit hohem Interesse in über das Internet zugängliche Pläne und Konzepte eingelesen. Mit ihrer Orts- und Detailkenntnis verblüffte sie die Magdeburger Gesprächspartner.

Anhand von Luftbildern, Planwerken und persönlichen Einschätzungen wurde während des Interviews im Stadtplanungsamt über Magdeburger Erkenntnisse aus Schrumpfung, Stadtumbau, Teilabriss und Rückbau, Konsolidierung, Stadtteil-Stabilisierung, Frischzellenkur und Aufwertung der vergangenen 15 Jahre sowie über aktuelle Herausforderungen infolge der wieder wachsenden Stadt Magdeburg gesprochen.

Da die Großstadt Utsunomiya sehr ähnliche urbane Veränderungsprozesse wie Magdeburg durchläuft, hat sich Frau Masubuchi während der Gespräche viele Notizen gemacht, um die Magdeburger Erfahrungen nach Japan mitzunehmen.

Dass die Stadt Magdeburg nach langen Jahren der starken Schrumpfung seit einigen Jahren wieder wächst und auch viele junge Menschen anzieht, stieß auf hohes Interesse bei Frau Masubuchi. Die Magdeburger Gesprächspartner erläuterten ihr die neuen planerischen Herausforderungen näher.

Sie war positiv überrascht, dass eine nach japanischem Maßstab eher kleine Großstadt wie Magdeburg ein aus ihrer Sicht solch hoch entwickeltes ÖPNV-System mit einem vergleichs­weise gut entwickelten Verkehrsangebot „sich leisten kann“. Das alle Hauptachsen des Stadtgebietes abdeckende Straßenbahnnetz von Magdeburg sowie die z.Zt. in Realisierung und in Planung befindlichen Netzergänzungen haben Frau Masubuchi außerordentlich beeindruckt.

Auch der im Vergleich zu japanischen Großstädten außerhalb der drei Metropolregionen Tokio, Osaka und Nagoya in Magdeburg angebotene attraktive Abendverkehr mit Bussen und Bahnen sowie das Nachtverkehrsangebot der MVB haben großes Erstaunen und Respekt bei Frau Masubuchi hervorgerufen.

Der in ihrer Heimatstadt Utsunomiya im Bau befindliche 12 km lange erste Abschnitt einer Straßenbahn­stammstrecke soll ebenfalls im weiteren Verlauf netzartig erweitert werden. Die insbesondere in Leipzig und in Magdeburg gesammelten Erkenntnisse möchte Frau Masu­buchi in dieses Großprojekt einfließen lassen.

Die Art und Weise der integrierten Herangehensweise im Stadtumbau sowie von Stadt­planung und Verkehrs­planung bei der stadträumlichen Weiterentwicklung von Magdeburg fand ebenfalls hohes Interesse bei Frau Masubuchi. Sie interessierte sich für die Wirkungs­weise von Planungs­instrumenten, Aspekten des Fördermittelwesens und der Finanzmittel­bereitstellung.

Frau Masubuchi hat sich für die Betreuung bei den Mitarbeitern des Stadtplanungsamtes herzlich bedankt und eine Einladung nach Japan ausgesprochen. Gern wird sie in Zukunft wieder nach Magdeburg kommen.

Im Anschluss ging es zum gemeinsamen Mittagessen in den Ratskeller, zu dem unser Präsident Lutz Wisweh sich extra Zeit genommen hatte. Nach einem angeregten Austausch über anstehende Projekte und Ideen für die deutsch-japanische Zusammenarbeit wurde als weitere Besichtigungsstation dem IBA shop in der WOBAU-Welle ein Besuch abgestattet.

Anhand der dort präsentierten Tafeln zur Entwicklung der Städtebaugeschichte von Magde­burg und dem großen Stadtmodell erläuterte das DJG-Mitglied und Vizepräsident Tim Schneider die Grundzüge der historischen wie auch der aktuellen Stadtentwicklung. Die derzeit aufgebaute Ausstellung zu den Ergebnissen des Gestaltungswettbewerbes für das Areal des Heumarktes fand dabei das besondere Interesse von Frau Masubuchi. Sie war erstaunt über die sehr weltstädtisch orientierten Grundzüge der prämierten Entwürfe.

Frau Irmelind Kirchner aus Berlin, Diplom-Übersetzerin MSc für Japanisch / Englisch / Deutsch sowie Kommunalwissenschaftlerin, hat all die Gespräche sehr souverän, höchst effizient und in angenehmer Weise begleitet. Ihr gilt allerhöchster Respekt und ein herzliches Dankeschön für die Unterstützung des Fach-Austausches wie auch der informellen Gespräche.

Nach ihrem zweitägigen Besuch in Magdeburg ist Frau Masubuchi über Berlin nach Hamburg weitergereist, wo sie ihre Gespräche in Planungsämtern fortsetzen wird. Wir von der Deutsch-Japanischen Gesellschaft Sachsen-Anhalt wünschen Frau Masu­buchi ebenfalls beste Erfolge bei der Abrundung ihrer Deutschlandreise.

 

 

Beeindruckende Mitgliederreise nach Rostock

Beeindruckende Schloss-Besichtigung mit bezauberndem Japanischen Hain
Mitgliederreise wieder einmal voller Erfolg

Nach außen blicken, Inspirationen erhaschen, Eindrücke wirken lassen, den Horizont erweitern. Und ganz nebenbei auch mal wieder Meeresluft schnuppern.
Hierfür hatten sich 11 Mitglieder der Deutsch-Japanischen Gesellschaft Sachsen-Anhalt e.V. zu ihrem Vereinsausflug des Jahres 2017 auf die Reise nach Mecklenburg gemacht.

Die Mitgliederreise – nunmehr schon eine langjährige Tradition des gemeinsamen Entdeckens von außergewöhnlichen japanischen Gärten in Nah und Fern – führte zunächst nach Rostock, um den noch immer gut gepflegten Japan-Garten auf dem Areal der Internationalen Gartenschau des Jahres 2003 gemeinsam zu besichtigen. Bei dieser Gelegenheit wurde gleich noch der ebenfalls auf dem IGA-Gelände befindliche Chinesische Garten begutachtet sowie dem Schifffahrtsmuseum auf dem Traditionsschiff „Dresden“, als größtes schwimmendes Museum Deutschlands, ein Besuch abgestattet.

Am Abend traf die illustre Reisegruppe im alteingesessenen Gasthaus „Zur Kogge“ nah am Rostocker Warnowkai den Präsidenten der DJG zu Rostock, Herrn Johannes Kunze sowie das langjährige Mitglied Kapitän auf großer Fahrt i.R. Heinrich Schröder. Gemeinsam probierte man auserlesene Spezialitäten der Mecklenburger Küche und des Ostseeraums bei würzigem Bier und passendem Weißwein. Dies bot einen hervorragenden Rahmen für eine Vertiefung der Gespräche in aktuelle Themen der Deutsch-Japanischen Beziehungen sowie in die jeweiligen Vereinstätigkeiten.

Am Sonntag ging es von Rostock aus zum Schloss Mitsuko in Todendorf bei Teterow, einem reizvoll in einer so nicht erwarteten bewegten Hügellandschaft 30 km südöstlich von Rostock gelegenen Gutshaus mit einer bemerkenswerten Japan-Ausstellung. Wir waren ein wenig vorinformiert. Es hieß, dass es eine Vielzahl von seltenen Exponaten aus Privatbesitz zu sehen geben wird. Aber was mag sich dort tief im Hinterland, hinter den sieben Hügeln bei den… mitten in Mecklenburg wohl verstecken?

Wir wurden außerordentlich überrascht.
Herr Professor Heinrich Johann Radeloff und seine Ehefrau Mitsuko, die treibenden Kräfte hinter der Etablierung des Museums und des außergewöhnlichen Gartens den Hügel hinauf hinter dem Schlösschen, ließen es sich trotz ihres hochbetagten Alters nicht nehmen, uns persönlich zu empfangen. Gemeinsam mit Herrn Karl-Michael Constien und einer Dame des Unterstützervereins wurde die Reisegruppe auf das herzlichste willkommen geheißen.

Herr Prof. Radeloff berichtete uns über das Schloss, den umgebenden Garten, seine Vorstellungen zur Umgestaltung, von den vielen Unterstützern und auch von seinem facettenreichen Lebensweg.
Er entstammt einem sehr alten Geschlecht aus dem Ostseeraum, lebte über 30 Jahre bei Kyoto, der alten Hauptstadt von Japan. Seinen Ruhestand nach einem bewegten, erfahrungsreichen Leben als Maler und auch in einigen anderen Professionen wollte er in seiner alten Heimat verbringen. Er konnte seine japanische Frau davon überzeugen, obwohl sie bis dahin kein Deutsch sprach. Und so begannen die beiden mit tatkräftiger Unterstützung vieler Hände ein neues, nochmals arbeitsreiches Leben mitten in Mecklenburg.

Mit viel Enthusiasmus und Liebe zum Detail wurde das alte Gutshaus hergerichtet und eine außergewöhnliche Ausstellung von aus Japan stammenden Exponaten aus verschiedenen Lebensbereichen wie Kunstwerke, Alltagsgegenstände, Kleidungsstücke, Objekte aus der Religionsausübung u.v.m. aufgebaut. In weiteren Räumen wurden Kunstobjekte verschiedener japanischer und deutscher Künstler ausgestellt. Das besondere am Ausstellungskonzept war ein spürbarer, zarter Zusammenhang, der durch die Atmosphäre des in Würde gealterten Schloss Mitsuko wie ein zarter Rauch von Räucherstäbchen in japanischen Shinto-Schreinen oder buddhistischen Tempeln dahinflog.

Durch diese beeindruckende Ausstellung, die man nie im Leben im ländlichen Mecklenburg erwarten würde, führte Karl-Michael Constien, Jünger von Prof. Radeloff, Adjutant, Bewunderer, Organisationstalent und vor allem anderen freischaffender Künstler, mit Sachkunde und feinsinnigem Humor. Chapeau! Wir waren unbeschreiblich beeindruckt.

Frau Mitsuko Radeloff hatte derweil einen verführerischen Imbiss aus japanisch anmutender Eierschecke in Verbindung mit einer Minze-Creme der allerfeinsten Art vorbereitet sowie einen schmackhaften Sencha (Grünen Tee) ausgeschenkt.

Die Geschichten zum Schloss Mitsuko und aus dem bewegten Leben der Familie Radeloff fesselten uns Zuhörer auf das Heftigste, so dass wir gar nicht wieder aufstehen wollten. Herr Prof. Radeloff verstand es wahrlich auf unvergessliche Weise, uns „in Beschlag zu nehmen“.

Es war uns aber dann doch möglich, unseren Wunsch auf eine geführte Besichtigung des Deutsch-Japanischen Hains hinter dem Gutshaus in Erinnerung zu rufen.

Besichtigung des Deutsch-Japanischen Hains in Rostock

Durch ein großes japanisches Sonnentor hindurch eröffnet sich dem Besucher der Blick auf den im fortgeschrittenen Entstehungsprozess befindlichen Deutsch-Japanischen Hain, in dessen Gestaltung der vorhandene Baumbestand geschickt einbezogen wurde. Viele gestalterische Elemente japanischer Gartenkunst wie Trockenteiche oder stille Orte des Verweilens sind Botschafter der fernöstlichen Ästhetik in der Gestaltung künstlich geschaffener Landschaften.

Die Entstehung eines Hains nach japanischem Vorbild dauert naturgegeben mehrere Jahrzehnte. Bereits im derzeitigen Entwicklungsstand sind beim Durchschreiten immer wieder neue Entdeckungen möglich. Mit traditionellen Methoden und vielfältigen in Mecklenburg nicht heimischen botanischen Raritäten wird aus dem früher verwaisten Garten ein Kleinod geformt, das in Deutschland einzigartig ist.

Seine große Anziehungskraft auf Besucher verdankt der Hain dem Kontrast zur ihn umgebenden Natur.

Die Harmonie des traditionellen japanischen Hains trifft auf eine durch die Eiszeit kräftig geformte Landschaft. Zeitgenössische Kunst von japanischen und deutschen Künstlern wurde in Form von Skulpturen und Arrangements sensibel eingefügt. Vor allem in den Sommermonaten ist der Hain Kulisse für Veranstaltungen wie zum Beispiel Gastauftritte japanischer Ensembles, die traditionelles Nô-Theater zwischen Bismarck-Eiche und japanischem Rotahorn aufführen.

Der Rundgang durch den Hain ermöglicht immer wieder neue Blickbeziehungen.

Einige wesentliche Elemente von japanischen Gärten, die im Deutsch-Japanischen Hain zur Anwendung gekommen sind, seien abschließend noch einmal kurz aufgeführt:

Rund 5.000 große eiszeitliche Granitsteine wurden aus der Umgebung herangeschafft, um das Gelände zu modellieren. Ein Teil der Granitsteine wurde in einer in Japan kultivierten Bauweise für eine imposante Natursteinmauer verwendet – schräg aufwachsend, mit engen Fugen und ohne Mörtel.

Einer der zentralen Orte des Hains ist ein großer Kraft-Stein, unter dem sich laut Herrn Prof. Radeloff drei Wasseradern kreuzen. Ein mediatives Hände-Auflegen unter seiner Anleitung ermöglicht es dafür offenen Besuchern, Stärkung und Zuversicht aufzunehmen.

Eine große Zahl fernöstlicher Pflanzen wurde stimmungsvoll kombiniert mit einheimischer Mecklenburger Vegetation.

Der Hain stellt ein bemerkenswertes Ensemble mit Gestaltungselementen, die als Vordergrund, Mittelgrund sowie Hintergrund wirken, dar. Dabei wurde Japangarten-typisch das Stilelement der „geborgten Landschaft“ von außerhalb des Gartens einbezogen.

Zusammenfassend darf eingeschätzt werden, dass mit dem Deutsch-Japanischen Hain am Schloss Mitsuko eine sehenswerte Symbiose von Landschaftsgarten und exotischer Japan-Garten-Gestaltung gelungen ist.

Auf der Rückreise bot sich dann noch die Möglichkeit, dem Japanischen Steingarten in Waren an der Müritz einen Besuch abzustatten. Dieser ist nach einhelliger Einschätzung ein echtes Kleinod mit dem bezeichnenden Namen „Kranich von Waren“ (Waren no tsuru) und befindet sich im Ensemble verschiedener Schaugärten vor der Silhouette der Stadt Waren.

Tim Schneider / Lutz Wisweh

Eierwurf-Attacken auf Gäste aus Japan

Höchst unerfreuliche Eierwurf-Attacken auf Gäste aus Japan vor Gericht aufgeklärt
jugendliche Täter haben sich bei den Betroffenen schriftlich entschuldigt

Kürzlich wurden im Amtsgericht Magdeburg zwei junge Männer aus der Region jeweils zu längeren Strafen verurteilt. Die Entscheidung, ob die Strafen zur Bewährung ausgesetzt werden, ist noch nicht gefallen. Das Verfahren und die Vorfälle wurden über die Medien weithin bekannt gemacht.

Ein Zusammenhang zur DJG Sachsen-Anhalt e.V. ergibt sich daraus, dass die Täter neben anderen, bestürzend gefährlichen Straftaten im März 2016 einige TeilnehmerInnen einer Studienreisegruppe von jungen Studierenden einer bekannten Universität aus Tokio am Hasselbachplatz und dessen Umfeld mit Eiern, Schmand und Shampoo-Flaschen aus einem fahrenden Pkw heraus beworfen hatten. Auch weitere junge deutsche Frauen waren an jenen Tagen von den jungen Männern aus dem Pkw heraus beworfen worden.

Im Zuge des Gerichtsverfahrens übergaben beide der gemeinschaftlichen Taten Angeklagte auf Deutsch verfasste Entschuldigungsschreiben an unseren Präsidenten Prof. Lutz Wisweh mit der Bitte, diese an die Ansprechpartner in Tokio und hierüber an die betroffenen TeilnehmerInnen der Studiengruppe weiterzuleiten.

Die Schreiben wurden an den für die Studienreise verantwortlichen Dozenten mit Begleitschreiben der DJG und weiteren Informationen übersandt.

Der sehr gut Deutsch sprechende Universitäts-Dozent war so freundlich, alle Unterlagen in das Japanische zu übersetzen. Er hat die Schreiben und die Übersetzung dazu an die seinerzeit direkt Betroffenen sowie an alle anderen TeilnehmerInnen der Studienreise bereitgestellt. Darüber hinaus hat er umfassend die Leitung der Universität informiert.

Der Dozent, der sich derzeit zu einem längeren Forschungsaufenthalt an einer Universität in Süddeutschland aufhält, hat sich bei der DJG für das Engagement in der Sache herzlich bedankt. Der Vorgang sollte nun aus Sicht der Japaner als abgeschlossen betrachtet werden.

Das Deutschlandbild bei den jungen Studierenden hat zum Glück keinen langfristigen Schaden genommen. Einige von ihnen – so der Dozent in einem Schreiben an die DJG – beabsichtigen, wieder nach Deutschland zu kommen. Auch er möchte im neuen Jahr Magdeburg wieder besuchen.

Fünf Japaner in Eilsdorf – Unglaubliches vor 130 Jahren im Harzvorland

Am Freitag, 07.10.16, gewährte der Magdeburger Software-Spezialist Dr. Martin Hentric heinen Einblick in die Ergebnisse seiner langjährigen Forschungen in Orts-Chroniken, Archiven und bei Privatpersonen über eine bemerkenswerte Geschichte: den teilweise mehrjährigen Aufenthalt von fünf jungen Männern aus angesehenen Familien in Japan bei dem Pfarrer Eduard Schleiff in Eilsdorf bei Halberstadt.

Reichlich Gäste waren der Einladung der DJG gefolgt und lauschten interessiert den kurzweiligen, gut vorbereiteten Ausführungen von Dr. Hentrich. Der Radioredakteur Carsten Reuß vom Mitteldeutschen Rundfunk hatte sich eingefunden und die Ausführungen aufmerksam verfolgt. Vor der Veranstaltung wurden mehrere Gäste und Akteure ausführlich interviewt. Ein Radiobeitrag wurde am Samstag, 08.10.16 in MDR Kultur ausgestrahlt, ein weiterer Beitrag ist vorgesehen.

Die Geschichte der jungen Japaner, die auf Vermittlung eines deutschen Gesandten in Ostasien für einen einjährigen, teilweise mehrjährigen Aufenthalt in die Familie des Pfarrers Eduard Schleiff kamen, ist für unsere heutigen Maßstäbe außergewöhnlich. Die aus Japan nach Deutschland entsandten fünf jungen Männer aus zumeist hochadliger Abstammung, u.a. aus dem Kriegeradel der Samurai, hielten sich zwischen 1885 und 1891 in Eilsdorf auf. Sie sollten in Obhut einer zuverlässigen, bodenständigen deutschen Pfarrersfamilie für ein Studium an deutschen Universitäten vorbereitet werden. Diese jungen Männer haben sich nach Rückkehr zu angesehenen Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens in Japan entwickelt. Eine solide Ausgangsbasis dafür wurde auch hier in Sachsen-Anhalt geschaffen.

In alten Kirchenbüchern sind noch die Einträge über die Taufen einiger Japaner zu finden. Im Zuge ihrer Taufe nahmen die jungen Männer deutsche Vornamen wie z.B. Bruno, Kurt und Paul an. Auch in späteren Jahren nach ihrer Rückkehr nach Japan unterschrieben die „Eilsdorfer Japaner“ ihre Briefe an Familie Schleiff mit ihrem deutschen Namen.

Besonders erwähnenswert der Besuch des Urenkels von Pfarrer Eduard Schleiff, Dr. Hans Schleiff aus Bad Schönborn (Baden-Württemberg) sowie des Urenkels des Königlichen Gymnasial-Lehrers Paul Detto, Rechtsanwalt Thorsten Detto aus Dresden, in Magdeburg anlässlich des Vortragsabends. Dr. Hans Schleiff hatte sogar das alte Photoalbum mit den authentischen Photos mitgebracht. Dies zog natürlich großes Interesse auf sich. Im Nachklang zum Vortrag fand zwischen den Nachfahren der damaligen Protagonisten und den Gästen des Abends bei einem guten Wein noch ein angeregter Austausch statt.

Die um die damalige Zeit und ihre Nachwirkungen fokussierenden Gespräche und das feste Versprechen, die Kontakte weiter zu intensivieren, waren ein schönes Resultat dieses besonderen Abends. Hervorhebenswert: die Dorfgemeinschaft von Eilsdorf, einem Ort mit erfolgreichen Bauern, Landarbeitern, Handwerkern und Steinmetzen – weit in der Region bekannt – zeigte sich seinerzeit interessiert und offen gegenüber den jungen Männern aus Nippon, dem Land der aufgehenden Sonne. Ein schönes Beispiel für Weltoffenheit und Herzlichkeit gegenüber Menschen ferner Herkunft. Solche Geschichte machenden Geschichten würden Sachsen-Anhalt auch heutzutage gut zu Gesichte stehen.

Ein kleines Büchlein, das die Geschichte der „Japaner in Eilsdorf“ erzählt, ist über www.edition-huy.de zu beziehen.

 

Studierende aus Tokio zu Besuch in Magdeburg

Kennenlernen von DDR-Geschichte und wilden Wendejahren, durchlaufenem Strukturwandel und heutigen Aufgaben des Stadtumbaus

Für die Gäste sehr informativ, für die Stadt Magdeburg eine große Ehre, für die Betreuer von der Stadtverwaltung, der Deutsch-Japanischen Gesellschaft Sachsen-Anhalt und einiger Magdeburger Japan-Freunde ein fröhliches Vergnügen – so lässt sich trotz der unschönen Vorfälle aufgrund unzivilisierter Rüpel aus der Provinz mit verstörenden Wurfgeschossen der Mitte März stattgefundene zweitägige Aufenthalt einer Gruppe von Studierenden aus Japan hier in Magdeburg zusammenfassen.

Als Begleitprogramm wurde ein gemeinsames Abendessen der Studierenden und Lehrkräfte der Hosei-Universität in Tokio mit Mitgliedern der DJG und an Japan interessierten Magdeburgern am Dienstag, 15. März, veranstaltet.

Der herzliche Austausch ermöglichte uns Gastgebern interessante Einblicke in die Interessen und Vorstellungen der jungen Japaner über das Leben und Denken in einer ostdeutschen Stadt im Jahr 27 der neuen Zeit nach der politischen Wende.

Die jungen Studierenden der humanwissenschaftlichen Fakultät hatten viele Fragen mitgebracht, die von den Gastgebern gern beantwortet wurden.

Dabei konnten die Magdeburger auch die Gelegenheit nutzen, Neuigkeiten über das aktuelle Leben in Japan zu erfahren. So war auch viel über die Besonderheiten des Lebens in der 30 Mio-Einwohner-Metropolregion von Tokio wie auch die Stadterneuerungs- und Entwicklungs­projekte im Vorfeld der Olympischen Spiele Tokio 2020 zu hören.

Die Studierenden äußerten ihr Erstaunen über die großzügigen Platzverhältnisse in Magdeburg, insbesondere über die breiten Straßen, die Radwege und Fußgängerbereiche sowie die vielen Grünflächen mitten in der Innenstadt. Auch haben sie der erreichte Sanierungsstand der Gebäude und die vielen Neubauten mit interessanter Architektur sehr beeindruckt. Etwas irritiert waren die jungen Gäste, dass so wenige Menschen auf den Straßen zu sehen waren.

In besonderem Maße waren die Studenten an den Verhältnissen in der DDR-Zeit interessiert. Zum Erstaunen der Gastgeber waren sie wahrlich gut darüber informiert, offenbar das Ergebnis einer intensiven Vorbereitung auf die Exkursion.

Am Mittwoch, 16. März, empfing der Beigeordnete für Stadtentwicklung, Bau und Verkehr, Herr Dr. Dieter Scheidemann, die Studierenden im Infopavillon am Kloster Unser Lieben Frauen und erläuterte am Stadtmodell Grundzüge der Stadtentwicklung sowie aktuelle Bauvorhaben.

Bei einer anschließenden durch die Stadtplaner Tim Schneider und Kamran Ardalan geführten Besichtigungstour mit Zwischen­stopps im dynamischen Baugebiet Elbbahnhof, Sanierungsgebiet Buckau mit den neu gestalteten „pocket-parks“ und spannenden Bauprojekten (META architektur), Deponie Cracauer Anger mit pfiffigen Energiekonzepten, Konversions-Großprojekt BuGa 99 im Elbauenpark mit Fachführung durch Dr. Klaus-Dieter Pantke, Landes-Erstaufnahmeeinrichtung für Flüchtlinge in der Breitscheidstraße sowie dem Interkulturellen Garten in der Neuen Neustadt konnten sich die jungen Leute einen eigenen Eindruck über das Gesagte verschaffen.

Insbesondere das Kennenlernen der Initiativen „von unten“, d.h. von engagierten Bürgern getragene Projekte, lag dem Leiter der Fachexkursion, Herrn Prof. Dr. Hidetaka Tsuji, sehr am Herzen.

Hierzu ermöglichte ein Rundgang durch den Interkulturellen Garten sowie ein anschließender Fachvortrag durch Sebastian Essig von Kulturanker e.V., Projektteam IKuGa, einen praxisnahen Einblick.

Ein Abstecher zur Stadtbibliothek mit einer fachkundigen Spontanführung durch die Leiterin Frau Dr. Cornelia Poenicke rundete den Aufenthalt in Magdeburg ab.

Den Gastgebern wurde mehrfach von den Gästen gespiegelt, dass Magdeburg viele positive Überraschungen bereitgehalten hat. Die Studierenden haben, so der einstimmige Tenor, unerwartet viel dazu gelernt.

Das freut uns Japanfreunde hierzulande außerordentlich. Gern empfangen wir wieder Gäste aus Nippon.