Studierende aus Tokio zu Besuch in Magdeburg

Kennenlernen von DDR-Geschichte und wilden Wendejahren, durchlaufenem Strukturwandel und heutigen Aufgaben des Stadtumbaus

Für die Gäste sehr informativ, für die Stadt Magdeburg eine große Ehre, für die Betreuer von der Stadtverwaltung, der Deutsch-Japanischen Gesellschaft Sachsen-Anhalt und einiger Magdeburger Japan-Freunde ein fröhliches Vergnügen – so lässt sich trotz der unschönen Vorfälle aufgrund unzivilisierter Rüpel aus der Provinz mit verstörenden Wurfgeschossen der Mitte März stattgefundene zweitägige Aufenthalt einer Gruppe von Studierenden aus Japan hier in Magdeburg zusammenfassen.

Als Begleitprogramm wurde ein gemeinsames Abendessen der Studierenden und Lehrkräfte der Hosei-Universität in Tokio mit Mitgliedern der DJG und an Japan interessierten Magdeburgern am Dienstag, 15. März, veranstaltet.

Der herzliche Austausch ermöglichte uns Gastgebern interessante Einblicke in die Interessen und Vorstellungen der jungen Japaner über das Leben und Denken in einer ostdeutschen Stadt im Jahr 27 der neuen Zeit nach der politischen Wende.

Die jungen Studierenden der humanwissenschaftlichen Fakultät hatten viele Fragen mitgebracht, die von den Gastgebern gern beantwortet wurden.

Dabei konnten die Magdeburger auch die Gelegenheit nutzen, Neuigkeiten über das aktuelle Leben in Japan zu erfahren. So war auch viel über die Besonderheiten des Lebens in der 30 Mio-Einwohner-Metropolregion von Tokio wie auch die Stadterneuerungs- und Entwicklungs­projekte im Vorfeld der Olympischen Spiele Tokio 2020 zu hören.

Die Studierenden äußerten ihr Erstaunen über die großzügigen Platzverhältnisse in Magdeburg, insbesondere über die breiten Straßen, die Radwege und Fußgängerbereiche sowie die vielen Grünflächen mitten in der Innenstadt. Auch haben sie der erreichte Sanierungsstand der Gebäude und die vielen Neubauten mit interessanter Architektur sehr beeindruckt. Etwas irritiert waren die jungen Gäste, dass so wenige Menschen auf den Straßen zu sehen waren.

In besonderem Maße waren die Studenten an den Verhältnissen in der DDR-Zeit interessiert. Zum Erstaunen der Gastgeber waren sie wahrlich gut darüber informiert, offenbar das Ergebnis einer intensiven Vorbereitung auf die Exkursion.

Am Mittwoch, 16. März, empfing der Beigeordnete für Stadtentwicklung, Bau und Verkehr, Herr Dr. Dieter Scheidemann, die Studierenden im Infopavillon am Kloster Unser Lieben Frauen und erläuterte am Stadtmodell Grundzüge der Stadtentwicklung sowie aktuelle Bauvorhaben.

Bei einer anschließenden durch die Stadtplaner Tim Schneider und Kamran Ardalan geführten Besichtigungstour mit Zwischen­stopps im dynamischen Baugebiet Elbbahnhof, Sanierungsgebiet Buckau mit den neu gestalteten „pocket-parks“ und spannenden Bauprojekten (META architektur), Deponie Cracauer Anger mit pfiffigen Energiekonzepten, Konversions-Großprojekt BuGa 99 im Elbauenpark mit Fachführung durch Dr. Klaus-Dieter Pantke, Landes-Erstaufnahmeeinrichtung für Flüchtlinge in der Breitscheidstraße sowie dem Interkulturellen Garten in der Neuen Neustadt konnten sich die jungen Leute einen eigenen Eindruck über das Gesagte verschaffen.

Insbesondere das Kennenlernen der Initiativen „von unten“, d.h. von engagierten Bürgern getragene Projekte, lag dem Leiter der Fachexkursion, Herrn Prof. Dr. Hidetaka Tsuji, sehr am Herzen.

Hierzu ermöglichte ein Rundgang durch den Interkulturellen Garten sowie ein anschließender Fachvortrag durch Sebastian Essig von Kulturanker e.V., Projektteam IKuGa, einen praxisnahen Einblick.

Ein Abstecher zur Stadtbibliothek mit einer fachkundigen Spontanführung durch die Leiterin Frau Dr. Cornelia Poenicke rundete den Aufenthalt in Magdeburg ab.

Den Gastgebern wurde mehrfach von den Gästen gespiegelt, dass Magdeburg viele positive Überraschungen bereitgehalten hat. Die Studierenden haben, so der einstimmige Tenor, unerwartet viel dazu gelernt.

Das freut uns Japanfreunde hierzulande außerordentlich. Gern empfangen wir wieder Gäste aus Nippon.

Unvergesslicher Gourmet-Abend der besonderen Art

Dr. med. Kenji Kaminos klasse Appetit anregende Antworten auf „Japanische Esskultur – Was essen die Japaner außer Sushi?“

Gut 80 erwartungsfrohe Magdeburgerinnen und Magdeburger lauschten am 22.2.2016 im einewelthaus in der Schellingstraße den kurzweiligen und immer wieder erheiternden Ausführungen des aus Hannover angereisten Japaners Dr. Kenji Kamino.

Anhand von über 90 Fotos sowie einigen echten Küchenutensilien und mit kurzen, eingängigen Erläuterungen schaffte es Dr. Kamino, von den bodenständigen Speisen aus den Ursprüngen Japans einen weiten Bogen bis zu den Delikatessen der Neuzeit zu schlagen.

Dabei ging er auch auf die von der Hochkultur Chinas beeinflusste Blütezeit der Heian-Epoche mit deren kulinarischen Gepflogenheiten ein. Die sich daran anschließende, von vielen Kriegswirren geprägte sowie durch Entbehrungen und Armut gezeichnete Feudalzeit der vielen Fürstentümer mit deren bodenständiger Küche wurde ebenso näher vorgestellt. Die Edo-Epoche, eine Zeit der über 250jährigen Abschottung Japans, die innenpolitisch große Stabilität brachte und von einem erneuten Erblühen der höfischen Hochkultur enorm profitierte, brachte laut Dr. Kamino auch eine unvorstellbare Ausdifferenzierung der kulinarischen Köstlichkeiten mit sich. Während sich im Zuge der Öffnung Japans nach außen im Zuge der Meji-Zeit nach 1860 zaghaft neue gastronomische Einflüsse von außerhalb den Weg nach Japan bahnten, geriet die rigorose Modernisierung nach 1945 zu einem Entwicklungsschub mit großer Bandbreite neuartiger in- und ausländischer Speisen.

Im Zuge seines Vortrages ging Dr. Kamino detailreich und dennoch angenehm kurzweilig auf die verschiedensten fernöstlichen Spezialitäten und Alltagsgerichte ein, dass den Gästen fast hörbar der „Zahn tropfte“ und immer heftiger „das Wasser im Mund zusammenlief“.

Zur Belohnung für das Mitschweben mit den verbalen wie auch optischen Umschmeichelungen wie auch das Ertragen der Gaumenvorfreude-Torturen konnten die Gäste nach einer tiefer in die Details gehenden spannenden Fragen-Runde mit Dr. Kenji Kamino die von Vize-Präsidentin Sakiko Volke-Nakahara und Azusa Takagi handwerklich solide zubereiteten, deliziösen Reisbällchen (Onigiri) und eine äußerst leckere Gemüsesuppe (Tonjiru) genießen und ihre Erwartungen mehr als erfüllt spüren und sehen. Dazu gab es an der Bar von Vize-Präsident Peter Schmidt servierten Sake sowie Weiß- und Rotwein.

Bei dem anschließenden, die neuen Nippon-Erkenntnisse mit weiteren Argumenten beleuchtenden Small Talk zog die den Appetit anregende Atmosphäre noch gehörig befruchtend durch das einewelthaus.

So freuten sich die Gäste besonders über die Ankündigung von DJG-Präsident Prof. Dr. Lutz Wisweh, dass voraussichtlich im September dieses Jahres ein Koch-workshop für japanische Speisen von der DJG angeboten wird.

Vorher soll es noch im April gemeinsam zum Kirschblütenfest im japanischen Garten auf Gut Zichtau bei Gardelegen sowie im Oktober zum Laternenfest im japanischen Bonsaigarten in Ferch gehen.

Wer einmal eine japanische Trommel ausprobieren möchte, der ist bei der Taiko-Gruppe „Akaishi Daiko Magdeburg“ unter der Anleitung von Sakiko Volke-Nakahara bei den angebotenen Workshops im März herzlich willkommen.

Im Herbst wird Vize-Präsident Tim Schneider von seiner Japanreise in den noch sehr ursprünglich geprägten Norden Japans mit seinen besonderen Bauten berichten.

Unter den Gästen gesichtet wurden u.a. der DJG-Ehrenpräsident Rechtsanwalt Michael Gosewisch mit Sohn Roman, der Küchenmeister und Bonsai-Experte Hartmut Pohl mit Gattin Angelika, der Japan-Kenner Dr. med. Bernd Freigang, Dr. Cornelia Poenicke nebst Gatten Jörg, Dr. Karl-Heinz Dübner mit Ehefrau Dr. Limara Dübner sowie Dr. med. Rolf Willms und Gattin Heidrun Angela.

Die Gäste dankten dem Referenten des Abends, Herrn Dr. Kamino, mit lang anhaltendem Applaus für seinen unvergesslichen Vortrag.

Er wird, so war bereits von ihm zu erfahren, im Jahr 2017 mit einem Bildervortrag über den temperamentvollen Süden Japans – der tropischen Inselgruppe Okinawa im Ostchinesischen Meer – und seinem ihm eigenen außergewöhnlichen Humor wieder nach Magdeburg kommen.

Auf dass wir alle miteinander bis dahin die Gaumenfreuden neben Sushi gehörig durchprobiert haben werden! In diesem Sinne: „Itadakimasu!“

„Japanische Esskultur – Was essen die Japaner außer Sushi?“

Dass Japaner eine innige – für uns Abendländer oft befremdliche – Affinität, wenn nicht gar Liebe zu Nahrungsmitteln unterhalten, ist allgemein bekannt. Wer von Ihnen bereits die Gelegenheit hatte, Japan zu bereisen und dabei eines der zahlreichen Aquarien besuchte, wird umringt gewesen sein von Japanern, die mit der Expertise ausgewiesener Gourmets die schwimmenden Delikatessen kommentieren. Über Aji no moto („Geschmacksfragen“) können Japaner mit Leidenschaft und Sachverstand diskutieren.

Für das spezielle Gefühl beim Essen, Kauen und Schlucken bietet die japanische Sprache über 400 Wortschöpfungen. Tatsächlich wird dem Anrichten und Verzehr von Speisen auf dem japanischen Archipel traditionell ein hoher Stellenwert eingeräumt. Gibt jeder von uns Deutschen im Jahresdurchschnitt 10% seines Nettoeinkommens für Essen und Trinken aus, sind es in Japan bereits 17%, wie die Süddeutsche Zeitung in ihrem wunderbaren Artikel über Kugelfische (Magazin, Heft 48, 2015) ermittelte. Japaner sind – um beim Thema zu bleiben – dabei bereit, für eine Delikatesse wie die giftige Leber des Kugelfischs nicht nur ein Vermögen, sondern sogar ihr Leben aufs Spiel zu setzen.

Wer jetzt Appetit auf japanisches Essen und japanische Kochkunst bekommen hat, den würden wir uns freuen, zu unserer Veranstaltung am 22.2.2016 in Magdeburg begrüßen zu dürfen. Wem die Zeit bis dahin zu lang wird, dem sei hiermit noch ein Film ans Herz gelegt, der am 31. Dezember bundesweit in unsere Kinos gekommen ist.

„Kirschblüten und rote Bohnen“ der Regisseurin Naomi Kawase erzählt in Bildern von faszinierender Schönheit von der Freundschaft zwischen dem Imbissbudenbetreiber Sentaro und einer älteren Dame namens Tokue. Diese verfügt über das geheime Wissen um die Herstellung einer Paste aus roten Bohnen. Diese Bohnenpaste An wird traditionell in Dorayaki-Pfannkuchen gefüllt, die sich in Japan größter Beliebtheit erfreuen. Über die kunstvolle und zeitaufwändige Zeremonie des Kochens und Würzens entwickelt sich zwischen beiden Protagonisten eine tiefe Vertrautheit und Freundschaft, die nicht nur Sentaros kleinen Laden zum Blühen bringt…

Informationen zum Vortrag finden Sie auf der Veranstaltungsseite.

Oder durchstörbern Sie schon vorab unsere Kategorie Kochen für tolle Rezepte.

Magdeburger Universitätsprofessoren zu Besuch in Japan

Japanreise von OVGU-Rektor Prof. Dr.-Ing. Jens Strackeljan und DJG-Präsident Prof. Dr.-Ing. Lutz Wisweh

Der Präsident der Deutsch-Japanischen Gesellschaft Sachsen-Anhalt (DJG) e.V., Prof. Dr.-Ing. Lutz Wisweh, begleitet derzeit den Rektor der Otto-von-Guericke-Universität, Prof. Dr.-Ing. habil Jens Strackeljan, durch Japan.  Beide wollen im Zuge von Gesprächen an der Universität von Niigata in der nordost-japanischen Großstadt die partnerschaftlichen Verbindungen vertiefen.

 

Die Universität Niigata liegt mit ihrem „Ikarashi“-Haupt-Campus in zentraler Lage im Stadtgebiet der rd. 808.000 Einwohner umfassenden Großstadt nördlich der japanischen Alpen. An der Universität studieren derzeit rd. 13.000 Studenten.

 

Herr Prof. Wisweh grüßt die Magdeburgerinnen und Magdeburger herzlich mit einem „Magudeburugo ni konnichiwa. O genki desuka. Koko ni hontoni kirei desu.“ – Einen Guten Tag nach Magdeburg. Wie geht es Ihnen? Hier ist es derzeit wirklich sehr sehr schön…

 

Die Kirschblüte ist dieses Jahr wegen der milden Temperaturen bereits zügig von Süd- nach Nordjapan gewandert, so dass Prof. Wisweh von den ausgelassenen, freudvollen Feiern unter üppig blühenden Bäumen im Kreise der Arbeitskollegen oder mit der gesamten Familie leider keine Fotos übersenden kann.

 

Im Zuge des Aufenthaltes in der Industrie-, Dienstleistungs- und Wissenschaftsstadt Niigata hat Prof. Wisweh auch Mitglieder der dortigen Japanisch-Deutschen Gesellschaft getroffen und Projekte des freundschaftlichen Austausches besprochen.

 

Darüber hinaus wird er einen Vortrag über den Wirtschafts- und Wissenschaftsstandort Magdeburg und Region vor Gästen einer angesehenen Wirtschaftsvereinigung halten. Im Anschluss wird Prof.  Wisweh über die japanischen Alpen in die Metropole Osaka reisen.

 

Ein ausführlicher Reisebericht wird folgen.

Rückblick: Vortragsabend über die Katastrophenregion Tohoku

Im Nachgang zum am Mittwoch, 11.03.2015, begangenen 4. Gedenktag der Dreifachkatastrophe in Japan wird nachfolgende Medien-Mitteilung veröffentlicht.

Am Abend des 11.03.2015 führte die Deutsch-Japanische Gesellschaft Sachsen-Anhalt e.V. in Kooperation mit der Stadtbibliothek Magdeburg einen öffentlichen Vortragsabend durch. Der reich bebilderte Vortrag des Referenten Tim Schneider spannte einen weiten Bogen von Ursachen über Wirkungen bis zu Problem-Erkennung und Versuchen des Gegen­steuerns und Neustarts in der hart getroffenen Katastrophenregion Tohoku in Nordost-Japan.

Der Vortrag ging insbesondere ein auf

– tektonische Ursachen des weltweit viert stärksten und für die japanische Neuzeit

  stärksten je gemessenen Erdbebens

– Verlauf der Katastrophen, hierbei mit Fokus auf das Tsunami-Ereignis mit seinen

  unvorstellbar starken zerstörerischen Kräften

– Kurzvorstellung der betroffenen Region

– Kurzeinblick in die demographische und wirtschaftliche Situation vor dem Erdbeben

  sowie nach dem Tsunami

– Beschreibung von spezifischen Schadensfällen im Zuge des Tsunamis

– Vorstellung von Sofortmaßnahmen für Evakuierte

– Vorstellung u. nähere Erläuterungen zu ersten Sofortmaßnahmen des Küstenschutz

– Vorstellung umfassender, langfristig ausgelegter Konzepte des Neustarts und Wieder-­

  aufbaus

– ehrenamtliches Engagement zur Ermöglichung von Sozialkontakten, Kinder- und

Seniorenbetreuung, öffentlichem kulturellen Leben (als Kompensation fehlender / nicht

ausreichender kommunaler / regionaler / staatlicher Aktivitäten

– Präsentation pfiffiger baulicher Hüllen zur Ermöglichung von Sozialkontakten, insbes.

     – Zeltbau, textiler Leichtbau

     – Holzbau (traditionsbewusste sowie zeitgemäße Interpretationen)

     – Container-Soforthilfe-Bauten mit gestalterischem Anspruch

– vielfältige Einzelprojekte / Projektansätze zur Wiederbelebung des öffentlichen Lebens

  und der Wirtschaft

– innovative, kostengünstige Lösungsansätze zur Wiederherstellung der Verkehrs-

  infrastruktur

– Masterpläne zur langfristigen Steuerung der Entwicklung / des Wiederaufbaus von

  Stadtzentren

Hintergründe

Etwas über 60 Gäste und Mitglieder der Dt.-Jp. Gesellschaft Sachsen-Anhalt e.V. kamen auf Einladung und angeregt durch die öffentliche Bekanntmachung in der Volksstimme und weiteren lokalen Medien in die Stadtbibliothek Magdeburg für den Vortrag.

Die Leiterin der Stadtbibliothek, Frau Dr. Poenicke begrüßte die Gäste und band die  Natur- und Technikkatastrophe am 11.03.2011 in Japan sowie die weltweite Wahr­nehmung hierüber und die ersten Schlussfolgerungen daraus in größere Zusammen­hänge ein. Darüber hinaus stellte sie den Zuhörern den Referenten Tim Schneider vor. Hierbei ging sie insbesondere auf die verschiedenen Ausbildungs- und beruflichen Stationen des konstruktiv-kritischen Japan-Beobachters und gern dorthin reisenden Stadt- und Verkehrsplaners ein.

Herr Prof. Dr.-Ing. Wisweh, Präsident der Dt.-Jp. Gesellschaft, stellte die aktuellen Spenden-Aktivitäten sowie die inhaltlichen Schwerpunkte der Dt.-Jp. Gesellschaft vor.

Er berichtete über die Hintergründe des Hilfsprojektes für Waisenkinder, dem sich die Dt.-Jp. Gesellschaft anschließt.

Mehrere Mitglieder der Dt.-Jp. Gesellschaft stellten an einem bereitgehaltenen Stand umfangreiches Infomaterial über die Katastrophenregion Tohoku aus und standen für Informations­bedarfe der Gäste zur Verfügung. Dies wurde auch rege nachgefragt.

Die Deutsch-Japanische Gesellschaft dankt den Gästen der Veranstaltung, die insgesamt 220 Euro für ein Kinderhilfsprojekt in der Katastrophenregion gespendet haben. Das Geld wird einem Kampfkunst-Verein in Süddeutschland zur Verfügung gestellt, der es gebündelt in die Hilfsaktion einbringt.

Tim Schneider

Vizepräsident

Jordanstraße 9

39112 Magdeburg

tim.schneider@djg-magdeburg.de

fon 0179 – 34 78 272

Atombombenabwürfe auf Japan – Warum? Zum 70. Gedenkjahr

Am Donnerstag, 05.02.2015, waren auf Einladung der Deutsch-Japanischen Gesellschaft Sachsen-Anhalt e.V. gut 40 Magdeburgerinnen und Magdeburger in den IBA-shop des Stadtplanungsamtes gekommen, um dem Vortrag „Atombombenabwürfe auf Japan – Warum? Zum 70. Gedenkjahr“ zu folgen und an der Vernissage der Aus­stellung „Hiroshima – Nagasaki“ der Deutschen Sektion der Internationalen Ärzte zur Verhütung des Atomkrieges, Ärzte in sozialer Verantwortung e.V. (IPPNW) teil­zunehmen.

Auf Einladung der DJG war der Bürgermeister und Beigeordnete für Finanzen, Herr Klaus Zimmermann, als Vertreter der Landeshauptstadt Magdeburg gekommen.

Frau Dipl.-Ing. Liane Radike begrüßte als Hausherrin des IBA-shops sowie als Ver­treterin des Stadtplanungsamtes alle Gäste und brachte einen kurzen Überblick über die spezielle Magdeburger Rezeption der Geschehnisse zum Ende des Zweiten Weltkriegs in Japan ein.

Der Präsident der DJG, Herr Prof. Dr.-Ing. Lutz Wisweh begrüßte die Gäste und stellte Herrn Dr. med. Kamino als hier in Magdeburg bereits seit vielen Jahren bekannten und hoch geschätzten Referenten zu japanspezifischen Themen vor.

Herr Kamino brachte seine Freude zum Ausdruck, zum wiederholten Mal hier in Magdeburg vortragen zu dürfen.

Sein Vortrag führte in unerwartete, vielen Gästen so nicht bekannte historische Hintergründe und Sichtweisen ein.

Der Referent stellte eine ausgewogene, die verschiedenen Seiten beleuchtende Sicht auf historisch nachgewiesene, jedoch nicht unumstrittene Sachverhalte dar.

Quellen seines Vortrages waren u.a. verschiedene Publikationen mit Auswertung von Informationen aus in den vergangenen Jahren für die Öffentlichkeit zugänglich gemachten US-Militär- und Staatsarchiven.

Für viele Gäste schockierende, da so bisher nicht bekannte Erkenntnisse über die offen­sichtlich aus geopolitisch-strategischen Gründen getroffenen Entscheidungen, die zu den beiden Atombombenabwürfen führten. Der Referent argumentierte nachvoll­ziehbar und anhand konkreter Fundstellen, dass starke Zweifel bestehen, dass allein aus dem Kriegsverlauf resultierende Erfordernisse zur schwerwiegenden Entscheidung des Atom­bomben-Abwurfes geführt hatten. Es müssen wohl andere Gründe im Vordergrund gestanden haben. Auf diese ging der Referent vertiefend ein.

Herr Kamino wies anhand aktueller Schulbücher eine mangelhafte, da nicht gegebene ganzheitliche Sicht auf historische Zusammenhänge im japanischen wie auch im US-amerikanischen Schulbildungssystem nach. Er resümiert für beide Nationen eine weit verbreitete Unwissenheit über die wahren Zusammenhänge und Hintergründe.

Nach dem Vortrag stellte sich der Referent den Fragen und Beiträgen aus dem Audi­torium. Dabei ging es unter anderem darum, wie heute mit 70 Jahren Abstand zu den Geschehnissen diese überhaupt noch angemessen gewürdigt werden können.

Mehrere Fragen aus dem Auditorium fokussierten auf die heutige Rezeption der historischen Geschehnisse in Japan. Auf Nachfrage konstatierte Herr Kamino, dass in der japanischen Gesellschaft kein Zusammenhang zwischen militärischer und friedlicher Nutzung der Kernenergie gesehen wird. Die aktuellen Geschehnisse in Fukushima würden in Japan nicht mit den Erfahrungen aus Hiroshima und Nagasaki verbunden.

Der im japanischen Volk ungemindert fortbestehende unverbrüchliche Wille zu Fried­fertigkeit und Völkerverständigung und die bedingungslose Absage jeglicher Her­stellung, Anschaffung und Vorhaltung von Kernwaffen stehen nicht im Widerspruch zu den zunehmenden Spannungen in Ostasien und den aktuellen innerjapanischen Debatten zur künftigen Ausrichtung der Selbstverteidigungsstreitkräfte und der außen­politischen Positionierung.

Die Ausstellung der Deutschen Sektion der Internationalen Ärzte zur Verhütung des Atomkrieges, Ärzte in sozialer Verantwortung e.V. (IPPNW) greift nahtlos den inhalt­lichen Faden des Abends auf und stellt ihn auf ein breiteres Fundament.

Zwei aus Japan stammende Wissenschaftler der Otto-von-Guericke-Universität hatten den Weg zum IBA-shop gefunden, ebenso waren Ärzte des Universitäts-Klinikums unter den Gästen. Frau Dr. Poenicke, neue Leiterin der Stadtbibliothek, sowie der DJG-Ehren­präsident Michael Gosewisch mit seinem Sohn Roman sowie Herr Dr. med. Rolf Wilms, der Referent des für April 2015 vorgesehenen Vortrags über – u.a. strahlungsbedingte – Hautkrankheiten, waren in den IBA-shop gekommen.

Die Ausstellung wird bis zum 28.02.2015 im IBA-shop, Regierungsstraße 37, zu sehen sein. Anhand ausgewählter Fotos, graphisch aufbereiteter Informationen und Statistiken wird die komplexe Materie der Herstellung, der Auswirkungen der Detonation, der Folge­wirkungen sowie des lang anhaltenden Leids der Menschen vor Ort dokumentiert. Die Informationen gehen im wahrsten Sinne der Worte unter die Haut…

Tim Schneider

Nurzu, auf nach Niigata!

Vertiefung der Kontakte nach Ost-Japan mit einem Besuch bei der JDG Niigata

Eine dreiwöchige, privat organisierte Rundreise durch die Mitte und den Nordosten von Japan führte Tim Schneider, einer der Vizepräsidenten der DJG Sachsen-Anhalt e.V., auch in die Großstadt Niigata an der Westküste zum Japanischen Meer. Die aufgrund zahlreicher Eingemeindungen nunmehr über 800.000 Einwohner umfassende Stadt ist Sitz der Ver­waltung der gleichnamigen Präfektur und verfügt u.a. über sieben Universitäten und Hoch­schulen sowie einen nicht unbedeutenden Überseehafen. Die Region ist ein Erdöl- und Erdgas-Fördergebiet, daher gibt es auch Erdölraffinerien. Daneben spielen die Papier- und Nahrungsmittelindustrie sowie der Maschinen- und Schiffbau eine bedeutende wirtschaftliche Rolle. Im Jahr 1990, d.h. vor den Eingemeindungen, hatte Niigata ca. 486.000 Einwohner und mit 209 km² eine Stadtfläche nahezu identisch mit Magdeburg.

Tim Schneider wurde ausgesprochen freundlich und interessiert von Mitgliedern der Japanisch-Deutschen Gesellschaft von Niigata empfangen. Die Kontakte zwischen den beiden Gesellschaften bestehen bereits seit gut 20 Jahren und werden durch vielfältige Aktivitäten insbesondere unseres Präsidenten der DJG Sachsen-Anhalt, Prof. Dr.-Ing. Lutz Wisweh, kontinuierlich gepflegt. Die fruchtbare Kooperation zwischen der Otto-von-Guericke-Universität und der Niigata-Universität besteht bereits seit 1986.

Die gut 100 Mitglieder umfassende Japanisch-Deutsche Gesellschaft (JDG) in Niigata unterhält ein reges Vereinsleben. Für das Jahr 2015 ist eine Vereinsreise nach Deutschland angedacht, die nach derzeitigen Vorstellungen auch nach Magdeburg führen könnte.

Der Generaldirektor der JDG Niigata, Herr Michihei Kurihara, setzt sich u.a. als Geschäftsführer der „Shinano Watershuttle Corporation“, der „Weißen Flotte“ von Niigata, für die Stärkung des Stadttourismus ein. Er möchte sich künftig vertiefend über Magdeburgs touristische Angebote u.a. auf der Elbe mit dem Wasserstraßenkreuz und auch mit Blick über die Stadtgrenzen hinaus informieren.

Weitere Mitglieder der JDG Niigata, darunter mehrere Professoren der Universität Niigata, sind sehr an einer Vertiefung der Kontakte nach Magdeburg interessiert.

Der herzliche Empfang für Tim Schneider beinhaltete eine ganztägige Stadtführung durch die Innenstadt von Niigata, die von mehreren Mitgliedern der JDG Niigata begleitet wurde. Hierbei wurden u.a. ein durch Bürger-Engagement vor dem Abriss gerettetes und denkmalgerecht erneuertes historisches Gebäudeensemble des Sommersitzes der angesehenen Großhandels-Familie Saito mit einem ausgesprochen schönen japanischen Garten besichtigt. Ebenfalls wurde ein im Stadtzentrum gelegenes historisches Kaufmannshaus besucht.

Als unvergesslichen Höhepunkt des Tages lies es sich der nunmehr im (Un-)Ruhestand agierende frühere Oberbürgermeister der Stadt Niigata, Herr Yoshiaki Hasegawa, nicht nehmen, höchstpersönlich auf seine charmante Weise durch den in den zurückliegenden 15 Jahren schrittweise errichteten Kulturbezirk „Ryutopia“  mit dem „Niigata City Performing Arts Center“ und der „Niigata City Culture and Music Hall“ als neuer geistiger Stadtmitte von Niigata zu führen. Dabei wurden verschiedene Spielstätten eines Aufsehen erregenden Neubaus eines klassischen Theaters mit an­geschlossenem Noh-Theater sowie mit einem außergewöhnlich gestalteten, 1.900 Sitzplätze umfassenden Konzertsaal besichtigt. Als besondere Geste wurden ebenso die Backstage-Bereiche sowie die spektakuläre, begrünte Dachlandschaft zugänglich gemacht.

Der gesamte Gebäude­komplex, der auch den geschichtsträchtigen Hakusan-Schrein mit seinem Garten, ein gerettetes historisches Gebäude mit nunmehrigen Möglichkeiten für TeeZeremonie etc., ein Sportstadium und eine große Leichtathletikhalle sowie städtebaulich hervorragend integrierte, eiförmige, begrünte Parkhäuser sowie eine mit zahllosen Kirschbäumen bepflanzte, überdeckelte Hauptverkehrsstraße umfasst, bildet auf beeindruckende Weise eine grüne, würdevolle und attraktive neue Mitte der Stadt Niigata. Der Neubau des Rathauses sowie weitere Gebäude der Stadtverwaltung grenzen unmittelbar an die parkartige Stadtlandschaft an.

Weitere bemerkenswerte Bauvorhaben zur Aufwertung der beiden Flussufer des Shinano-Flusses wurden in den zurückliegenden Jahren mit hohem Anspruch realisiert.

So hat beispielsweise die größte Tageszeitung von Stadt und Region, „Niigata Nippo“, ihren Sitz aus der Peripherie von Niigata im Jahr 2014 mit einem prägnanten, die Stadtsilhouette beherrschenden, schwungvollen Hochhaus, dem „Media Ship“, wieder zurück in die Stadtmitte verlagert. Weitere Bauvorhaben wurden entlang der Uferpromenaden realisiert und sind darüber hinaus in Planung.

Die Innenstadt befindet sich in einem umfangreichen Transformationsprozess. Zahlreiche Neubauvorhaben, insbesondere von Büro- und Appartmenttürmen, verändern das Stadtbild. Die im Vergleich zu anderen Städten Japans breiten Hauptstraßen werden von Baumalleen begleitet, welche die Stadt angenehm auflockern und durchgrünen.

Die Hafenstadt Niigata als bedeutende Verkehrs- und Logistikdrehscheibe mit schnellem Shinkansen-Anschluss in das nur rd. 250 km entfernte Tokyo und leistungsfähigen Eisenbahn- und Autobahnverbindungen in alle Landesteile sowie einem eigenen Flughafen strebt eine Vertiefung der Kontakte zu ausländischen Städten insbesondere mit Logistikfunktionen an.

So unterhält die Stadt Niigata bereits seit Anfang der 1980er Jahre intensive städtepartnerschaftliche Beziehungen zur nordchinesischen Millionenstadt Harbin, ebenfalls Partnerstadt von Magdeburg. Gleich zu drei Städten in Russland sowie zu weiteren Städten in verschiedenen Ländern werden lebendige städtepartnerschaftliche Kontakte gepflegt. Die Menschen in Niigata werden als aufgeschlossen und warmherzig eingeschätzt.

Niigata gehörte zu den fünf Hafenstädten, mit deren Öffnung für den internationalen Handelsverkehr im Jahr 1858 sich Japan nach mehr als 250 Jahren selbst gewählter Isolation für das Ausland öffnete und damit seine umfassende Modernisierung einleitete.

Die Wertschätzung durch unsere Freunde in Niigata sollte uns Ansporn und Motivation zugleich sein, unsere Aktivitäten zur Vertiefung der freundschaftlichen Kontakte nach Niigata fortzusetzen.